Butoh Performance "Rebirth" von Melanie Hiermann - Kunstblock Balve München.
Eine Form der Wiedergeburt in inneren Bildern und äußeren Bewegungen ausgedrückt. Die Musik - zumeist ein ungeordnetes und teilweise lästiges Geklimper - erinnert an wildes Draufhauen auf ein Musikinstrument, das mit großer Freude vom Kinde und zum Leidwesen Erwachsener vollzogen wird.
Auf die Welt kommen.
In der Welt ankommen.
In der Welt sein.
Eine Welt, die vom technischen Fortschritt bestimmt ist und sich immer schneller entwickelt.
Hilflosigkeit.
Beherrschung von Mensch und Natur.
Ohnmacht.
Maschine.
Entfremdung.
Idee, Musik, Performance: Melanie Hiermann
Butoh
Leerer Körper
Du willst in deinem Körper Raum schaffen, damit er bewegt werden kann. Das bedeutet: einen entspannten Körper, einen klaren Geist, einen sensiblen, empfänglichen Körper – einen leeren Körper. Das heißt nicht, dass er frei von Energie oder Bildern bleibt, nein, es ist ein Ausgangspunkt, ein Ort, von dem aus du deinen Tanz finden kannst, auf der Suche nach etwas, das wahr für dich selbst ist. Es bedeutet nicht, dich selbst zu verlassen, sondern zu erkennen, dass dein Selbst größer ist, als du denkst.
Bewegungen
Jede Bewegung die du machst, muss aus einem inneren Impuls heraus entstehen, indem du in dir diesen Impuls zum Bewegen findest. Du willst dich nicht in der Vorstellung eines Bildes bewegen, sondern die Energie des Bildes deinen Körper bewegen lassen. Es gibt dabei kein richtig oder falsch, es geht darum, empathisch zu sein. Butoh dreht sich ganz um Präsenz. Für viele klingt es wie ein Widerspruch: das innere Selbst zu beleben und sich zugleich davon zu befreien. Doch genau darum geht es. Es geht um Widersprüche, Gegensätze und Paradoxien.
Weiß geschminkt von Kopf bis Fuß
Viele Butoh-Tänzer tragen die typische weiße Schminke von Kopf bis Fuß. Dahinter steht die Idee, sich selbst auszulöschen. Eine andere Art, den leeren Körper zu schaffen – eine Weise, sich zu bewegen, die paradoxerweise darin besteht, sich selbst zu löschen, um das Empathischere, das Tiefere, den inneren Kern zu finden.
Es geht mehr ums Sein als um den Ausdruck
Lass deinen Körper spontan auf die Energie der Impulse reagieren. Auf die Impulse des Bildes. Du erdenkst dir den Butoh nicht im Voraus, du erdenkst dir nicht die Emotion – es geht darum, spontan und empathisch auf der Bühne zu sein. Es ist die Präsenz auf der Bühne, die so kraftvoll ist. Ein moderner Tänzer möchte zum Beispiel das Element Wasser tanzen. Er überlegt, wie er seinen Körper bewegen kann, um Wasser auszudrücken – vielleicht macht er wellenförmige oder fließende Bewegungen, die wie Wasser aussehen. Ein Butoh-Tänzer dagegen schafft zuerst den leeren Körper, dann das starke innere Bild, Wasser zu sein. Er reagiert spontan auf die Energie des inneren Impulses.
Sich aus einem Zustand der Nicht-Aufmerksamkeit bewegen
Nicht die Emotion im Voraus erdenken, nicht die Energie im Voraus erdenken, nicht die Choreografie im Voraus erdenken – es geht darum, emphatisch und spontan auf den Moment zu reagieren und Teil des Raumes zu werden.
Ich tanze nicht im Raum – ich bin der Raum.
Nicht perfekt sein
Den Körper annehmen, die eigenen Unvollkommenheiten annehmen und die Unvollkommenheiten tanzen.
Mothers Womb ist eine körperliche Setzung im öffentlichen Raum.
Die Performance bewegt sich im Spannungsfeld frühester Erfahrung, Verlust und Körpergedächtnis – in einem Bereich, der sich sprachlicher Darstellung entzieht. Bewegung wird hier nicht Ausdruck, sondern Träger eines Zustands, der vor Sprache liegt.